Das innere Kind und die Kreativität

Klingt das phi­lo­so­phisch? Viel­leicht ist die­ser Bei­trag das auch. Ein biss­chen. Ich möch­te ein paar Din­ge auf­schrei­ben, über die ich in den letz­ten Tagen nach­ge­dacht habe.

Man muss auch mal loslassen können

Das ist leich­ter gesagt als getan, aber ich bin zu dem Ergeb­nis gekom­men, dass ich genau das brau­che (und nur sehr schwer kann). Der Gedan­ke, den ich im letz­ten Bei­trag geäu­ßert habe, hat Form ange­nom­men.

Viel­leicht hin­dert mich auch gera­de mein Dick­schä­del, mei­ne Ver­bis­sen­heit und mein inne­rer Drang. Wer weiß…?

Heu­te sit­ze ich hier und ver­su­che in Wor­te zu fas­sen, was mir ges­tern noch viel deut­li­cher vor­schweb­te, zu sagen. Ja, das kommt, wenn man das Schrei­ben auf­schiebt. Und war­um ist da Reis in mei­nem Tee? 

Bis jetzt habe ich eine Men­ge You­Tube geguckt, Vide­os, zu The­men die mich inter­es­sie­ren. Ame­ri­can Hor­ror Sto­ry ist jetzt auch so weit durch. Selt­sa­mer­wei­se habe ich kaum gespielt. Ich war also ziem­lich faul und das war auch mein Ziel. Ein­fach mal Abstand neh­men und so mei­ne Ener­gi­en sam­meln in der Hoff­nung, dass ich irgend­wann wie­der alles kla­rer sehe.

Abstand nehmen

So ganz ohne was zu zeich­nen konn­te ich dann doch wie­der nicht. Aber ich nahm mir vor, nur zum Spaß zu zeich­nen. Ein­fach irgend­was, das mich ent­spannt oder wozu ich gera­de Lust habe. 
Fanarts sind da immer gut, jeden­falls für mich. Die habe ich schon immer gern gezeich­net und ich habe die Gele­gen­heit genutzt, ein­fach mit Sti­li­sie­rung und Far­ben zu spie­len.

Ein paar Tage ver­gin­gen und ges­tern habe ich dann etwas gese­hen, was ein­fach per­fekt passt und des­we­gen unbe­dingt mit in die­sen Ein­trag muss.

Wie so oft in letz­ter Zeit lag ich auf dem Sofa habe You­Tube geguckt. Dann fiel mir auf: Oh, ein neu­es Video von Adam Duff!
Gut, es war schon ein paar Tage alt, aber egal.

Social Media

Das Video »How SOCIAL MEDIA is RUINING Your ART« (wie Soci­al Media dei­ne Kunst rui­niert) kam wirk­lich wie geru­fen, Adam sprach mir aus der See­le und es war, als hät­te er mei­ne Gedan­ken gele­sen. Hat er natür­lich nicht. Ich kann mir nur zu gut vor­stel­len, dass ich bei wei­tem nicht die ein­zi­ge bin, die mit bereits beschrie­be­nen Rück­schlä­gen, Ver­sa­gens­ängs­ten und Selbst­zwei­feln zu kämp­fen hat.
Auch ist mir klar, dass es viel mit den sozia­len Netz­wer­ken zu tun hat, denn hier stellt man sei­ne Wer­ke zur Schau, wie ande­re auch. Und obwohl alle das Gegen­teil pre­di­gen, ver­gleicht man am Ende doch sei­nen Soci­al Media Erfolg mit dem von ande­ren. 

Es soll ja Leu­te geben, die haben im ech­ten Leben (also nicht nur online) Freun­de, die sich eben­falls künst­le­risch betä­ti­gen oder eine sonst wie gleich­ge­sinn­te Künst­ler Com­mu­ni­ty. Wenn man das nicht hat, so wie ich zum Bei­spiel, ver­sucht man beson­ders, so etwas online zu fin­den.
Man kommt kaum drum her­um zu sehen, wie vie­le Likes und Fol­lo­wer der jeweils ande­re hat. Und ich bin mir sicher, dass man selbst auch oft danach bewer­tet wird.

Dafür habe ich auch ein Bei­spiel von etwas, das mich irgend­wann letz­tes Jahr geär­gert hat. 
Es gibt nicht vie­le deut­sche Zeich­ner-Kanä­le auf You­Tube und ein klit­ze­klei­ner Anteil davon (zumin­dest gefühlt: zwei) sind groß. Also mit sehr vie­len Abon­nen­ten. Ich bin ehr­lich und gebe zu, dass ich deren Ruhm nicht so wirk­lich ver­ste­he. Also, ich hal­te sie nicht für die bes­ten Künst­ler, aber offen­sicht­lich machen sie was ande­res rich­tig. Eine/​r die­ser You­Tuber hat mich ange­spro­chen, war auch ganz nett und ich habe die­se Per­son abon­niert. Ob der Gefal­len erwi­dert wur­de, weiß ich nicht mehr. Aber ich bin der Per­son auch auf Insta­gram gefolgt und sie zurück. Nur um nach ein paar Tagen wie­der zu ent­fol­gen. 

Ich folg­te ihr nicht, weil ich ihre Bil­der toll fin­de, zuge­ge­ben. Sie folg­te mir höchst­wahr­schein­lich nur, damit ich zurück fol­ge und sie einen Fol­lo­wer mehr hat. Und ent­folg­te mir dann wie­der, weil ich kei­ne Berei­che­rung für ihre Popu­la­ri­tät bin und nicht unbe­dingt damit zu rech­nen war, dass mir ein Fol­lo­wer weni­ger auf­fal­len wür­de und ich im Gegen­zug auch ent­fol­gen wür­de. Was bei so vie­len Fans wahr­schein­lich auch kaum eine Rol­le spielt. Und nun zum Ver­gleich: Auf Insta­gram gam­mel ich nach wie vor auf weni­ger als 300 Fol­lo­wern rum (die ich jetzt auf kei­nen Fall schlecht machen will, ich freue mich über jeden ernst gemein­ten fol­lo­wer) wäh­rend besag­te Per­son auf die 16.000 zusteu­ert. Ich behaup­te mal, hät­te ich genau so vie­le oder 20.000 sogar, wäre das nicht pas­siert. Dann wäre ich »aner­kannt«. Es ist ein ziem­lich bescheu­er­tes Spiel.

Ehe man sich ver­sieht, ver­sucht man mit­zu­hal­ten und sich zu wun­dern, was man falsch macht.

Zeichenmaschine für Instagram?

Etwas, wobei ich Adam Duff nicht zustim­me ist als er sag­te »Wen interessiert’s wie vie­le Likes und Fol­lo­wer du hast?«. Ja gut, auf mei­nem Grab­stein wird hof­fent­lich nicht ste­hen wie mei­ne Soci­al Media Bilanz war, das wird nicht sein, wofür man sich an mich erin­nert. Aber ich den­ke ja immer, das mehr Fol­lo­wer dazu füh­ren, dass mehr Leu­te dei­ne Kunst sehen, was wie­der­um die Chan­cen erhöht, Auf­trä­ge zu bekom­men. 

Iris Com­piet zum Bei­spiel wur­de erst durch Insta­gram berühmt. Sie beschrieb selbst in einem Inter­view dass sie ein­fach anfing zu zeich­nen, wozu sie Bock hat­te (Folk­lo­re, Feen und so) und jetzt ist sie eine der Gro­ßen. Sie ist auf Events anzu­tref­fen, ver­kauft ihre Kunst­wer­ke, Leu­te kau­fen ihre Bücher und in Ima­gi­n­e­FX war sie natür­lich auch schon. Davon lebt sie tat­säch­lich jetzt. Ich fin­de das übri­gens alles rich­tig toll, weil sie auch wirk­lich was kann, eige­ne Ide­en hat und macht, was sie will. Damit dann noch Erfolg zu haben und sich sei­nen Traum erfül­len ist auf jeden Fall bewun­derns­wert.

Mit allem, was Adam Duff sonst noch sag­te, stim­me ich über­ein. Ins­ge­samt fand ich das Video sehr hoff­nungs­voll, trös­tend und auch inspi­rie­rend. Wen das The­ma inter­es­siert und des Eng­li­schen mäch­tig ist, dem emp­feh­le ich das Video auf jeden Fall wärms­tens. Für alle ande­ren kann ich nur grob zusam­men­fas­sen, was ich am inter­es­san­tes­ten fand. Obwohl fol­gen­des eigent­lich klar ist, habe ich es mir bis­her noch nicht so vor Augen geführt.

Insta­gram dik­tiert die Geschwin­dig­keit. Insta­gram pro­fi­tiert davon, wenn so viel und so oft wie mög­lich etwas gepos­tet wird. Wie jedes ande­re Sozia­le Netz­werk im Inter­net hat es sei­nen eige­nen Algo­ryth­mus. Bei Insta­gram ändert der sich glau­be ich alle paar Mona­te mal und da »muss« man mit­hal­ten. Ich bin da auch eigent­lich immer ganz gut auf dem Lau­fen­den, aber ich erklä­re es kurz.

Ein­fach gesagt, je öfter man pos­tet des­to bes­ser, dazu die rich­ti­gen Hash­tags und ganz viel inter­agie­ren. Außer­dem gibt es noch Klei­nig­kei­ten zu beach­ten, wie (das ist jetzt glau­be ich noch der aktu­el­le Stand): Die Reich­wei­te sinkt, wenn man inner­halb von 24 Stun­den sei­nen eige­nen Bei­trag bear­bei­tet und inner­halb von einer Stun­de soll­te auf Kom­men­ta­re geant­wor­tet wer­den, um die Reich­wei­te zu erhö­hen. Reich­wei­te kann hier ein­fach nur eine bes­ser Chan­ce gese­hen zu wer­den bedeu­ten.

Wenn man das nicht macht und bei­spiels­wei­se nur ein Mal pro Woche oder womög­lich sel­te­ner sei­ne Inhal­te hoch­lädt, kann es sehr gut sein, dass kaum einer dei­nen Bei­trag über­haupt sieht. Selbst, wenn der­je­ni­ge dir folgt.

Nun ist Insta­gram aber nicht spe­zi­ell auf Künst­ler aus­ge­rich­tet. Wenn man irgend­wel­che Schnapp­schüs­se macht, Sel­fies oder Ähn­li­ches, ist das mach­bar. Aber als Zeich­ner oder Maler hat man sei­ne eige­ne Geschwin­dig­keit und kann nicht unbe­dingt jeden Tag ein Meis­ter­werk zau­bern. Oder man hat einen Stil, mit dem man ein­fach schnel­ler ist, oder man macht vie­le Skiz­zen, die man hoch­la­den kann und will, oder, oder. Dann geht das wohl. Wenn das aber nicht zutrifft, kann man kaum oder gar nicht mit dem Tem­po mit­hal­ten. Was am Ende auch nicht gut ist, da es dar­um nicht gehen soll­te und die Qua­li­tät soll­te immer noch über Quan­ti­tät gehen.

Das innere Kind oder: back to the roots

Gleich nach­dem das Video von Adam Duff vor­bei war, war in mei­nen Emp­feh­lun­gen das nächs­te, bis­her über­se­he­ne Video. Und zwar von Trent Kani­u­ga, des­sen Vide­os ich auch total ger­ne gucke. Tat­säch­lich einer mei­ner Lieb­lings­ka­nä­le. Sein The­ma war nicht unähn­lich.

In »Artist Bur­nout« ging es am Ran­de eben­falls um Soci­al Media, aber nicht haupt­säch­lich. Es ging um das »Bur­nout«, wenn man denkt, es geht nicht mehr wei­ter und dass man ein­fach nicht mehr kann. Hier wird Anfangs ange­spro­chen wie man so etwas in den Griff bekommt, als kurz­fris­ti­ge Lösung, wenn man gera­de trotz­dem an etwas arbei­ten muss. Aber ins­ge­samt ist das The­ma ganz all­ge­mein die­ses Künst­ler Bur­nout, das laut Trent jeder Künst­ler mal erlebt.
Wenn man es sich erlau­ben kann, rät er ganz ein­fach zur Pau­se. Die Tipps die dann folg­ten, fand ich beson­ders gut und sie bestä­tig­ten mich noch zusätz­lich in mei­ner momen­ta­nen Her­an­ge­hens­wei­se im Umgang mit mei­nem eige­nen Pro­blem.

Mit Peter Pan als Bei­spiel und einer kur­zen Inter­pre­ta­ti­on des Mär­chens bezie­hungs­wei­se sei­ner Mytho­lo­gie stellt Trent Kani­u­ga fol­gen­de Behaup­tung auf (frei über­setzt): 

Der idea­le Zustand des Men­schen ist einer in dem er Neu­gier und Furcht­lo­sig­keit (Sorg­lo­sig­keit) eines Kin­des und den Sinn für Ver­ant­wor­tung eines Erwach­se­nen inne­hat. 

Das klingt gar nicht mal so ein­fach. Und dann sagt er das, was für mich die Bot­schaft sei­nes Vide­os sehr schön zusam­men­fasst (wie­der frei über­setzt).

Wenn du aus­ge­brannt bist ist es an der Zeit, mit sei­nem inne­ren Peter Pan in Ver­bin­dung zu tre­ten. Das ist, wenn du zu der Sache zurück keh­ren musst, die dich über­haupt zum Kre­ieren bewegt hat. Gehe zurück zu dei­nem kind­li­chen Selbst. Ver­giss nicht, wie man spielt.

Es fal­len ein paar Bei­spie­le und Ver­an­schau­li­chun­gen, die bei mir gleich ihre Wir­kung zei­gen.
Ich den­ke dar­an, was ich frü­her gern gezeich­net habe. Und zwar nur so. Weil ich Lust dazu hat­te und des­we­gen hat es Spaß gemacht und das hat mich immer wei­ter moti­viert.

Die ein­zi­gen unglück­li­chen, krea­ti­ven Men­schen die er kennt, sind Skla­ven ihres eige­nen Ver­ant­wor­tungs­ge­fühls, sagt Trent. 
Das mer­ke ich mir.
Auch wenn man als Pro­fi arbei­tet, so sagt er, soll­te man immer ein per­sön­li­ches Pro­jekt haben. Das ist etwas ganz Eige­nes, was man macht, weil man es will. Die eige­ne Stim­me. 
Tat­säch­lich habe ich auch frü­her sol­che Pro­jek­te gehabt. Likes waren egal. Als ich Kind war, gab es so etwas ohne­hin nicht, aber für »Likes« habe ich frü­her defi­ni­tiv nicht gezeich­net. Nur für mich selbst. Mei­ne eige­nen Comics, eige­nen Geschich­ten, Cha­rak­te­re und immer mal wie­der ein Fan­art zu einem Spiel, was ich lieb­te. 
Dar­an wur­de ich jetzt erinnert.d

Fazit

Das klingt alles sehr schwie­rig für mich. Es ist nicht so, dass ich das Zeich­nen nicht lie­be. Zeich­nen ist toll. Wenn ich erst mal drin bin, schal­te ich alles ande­re aus. Für jeman­den eine Auf­trags­ar­beit zu machen ist ganz und gar nicht das Pro­blem. Da mache ich mir so gut wie nie Sor­gen. Da gibt es Vor­ga­ben.
Aber wenn es um »was Eige­nes« geht, sieht es schon ganz anders aus. Ade, Selbst­si­cher­heit. Das Pro­blem ist wahr­schein­lich tat­säch­lich, dass ich so ein Kopf­mensch bin. Mal sehen, ob ich ler­nen kann, wie­der unbe­schwer­ter ans Zeich­nen her­an zu gehen. Ein eige­nes Pro­jekt habe ich ja schon!

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  1. Avatar

    Mamsel

    Oh ja, es ist ein lan­ger Weg, mit Rück­schlä­gen gepflas­tert. Aber dann ist es jetzt so eine Zeit der Nie­der­ge­schla­gen­heit und Besin­nung. Es erfor­dert sehr viel Stär­ke und Mut sich wie­der her­aus­zu­ho­len und dann wie du es geschrie­ben hast »back to the Roots« ein sehr guter Gedan­ke!

  2. Avatar

    ich bin total beein­druckt… das kommt was in Gan­ge … und alles ist so was von wahr … war­te mal, ich habe neu­lich so etwas Ähn­li­ches, was Soci­al Media betr. gepos­tet… ich stel­le das mor­gen mal rein… denn heu­te … na so wie immer …

  3. Avatar

    Dani

    Ich drück dir die Dau­men, dass du es so hin bekommst, wie du es dir Vor­stellst.
    Dei­ne ers­te län­ge­re Pau­se hat­te dir auch sehr gut getan, weil es ein­fach viel zu viel wur­de und du dich nur noch unter druck gesetzt hast.
    Krea­ti­ve Ide­en hat­test du schon immer und vie­les ist mir bis heu­te in Erin­ne­rung geblie­ben. Eins von vie­len Bei­spie­len wäre aber dei­ne Comics von dei­nen Haus­tie­ren.

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