Ein Mittwoch

Halb­wach wel­ze ich mich im Bett her­um. Was für eine grau­en­vol­le Nacht mal wie­der. Ich bin müde, als wäre es erst vier Uhr mor­gens, aber das biss­chen Licht, das durch die Jalou­si­en ins Zim­mer kommt, sagt mir etwas Ande­res. Heu­te ist mein frei­er Tag, wie die vori­gen zwei Tage. So habe ich es beschlos­sen. Aber mei­ne Mut­ter kommt spä­ter, wahr­schein­lich soll­te ich auf­ste­hen.
Ich schaue auf mein Han­dy, es ist acht Uhr zwei­und­drei­ßig.

Noch eine Wei­le star­re an die Decke. Reg­net es? Zumin­dest klingt es von drau­ßen her so. Ich rol­le mich seit­lich aus dem Bett und stel­le mir vor wie es wäre neben jeman­den auf­ge­wacht zu sein, den ich lie­be. Es reg­net nicht, es tropft nur von den Dach­rin­nen und dem Gerüst gegen­über, auf dem heu­te noch kei­ne Bau­ar­bei­ter zu sehen sind.

Auf dem Weg ins Bad lau­fen die Kat­zen vor mir her und der Song, den ich vor dem Schla­fen­ge­hen gehört habe, spielt in mei­nem Kopf.
Als ich mir die Zäh­ne put­ze legt Bösi mir eine lan­ge Wurst ins Kat­zen­klo, wie könn­te es auch anders sein?

Beim Tee­ko­chen fin­de ich, dass ich mei­nen Ohr­wurm unbe­dingt hören muss, sobald ich hier fer­tig bin. Nur noch eben die Kat­zen füt­tern. Bösi steht auf der Wasch­ma­schi­ne und greift gie­rig for­dernd mit der Pfo­te nach mir.

Die Kan­ne auf dem Stövchen, Tas­se und Soja­milch dane­ben und mein Bul­let Jour­nal in Posi­ti­on. Über die Play­Sta­ti­on öff­ne ich You­Tube und fin­de schnell das Musik­vi­deo von ges­tern Abend wie­der. Zeit, ins Jour­nal zu schrei­ben. Dabei las­se ich mich von dem neu­es­ten Sire­nia Video ablen­ken. Emma ist so toll.

Zum Früh­stück esse ich einen fer­ti­gen Bul­gur-Salat. Mitt­ler­wei­le habe ich ein paar wei­te­re Musik­vi­de­os geschaut und bin zum Essen auf ein lehr­rei­ches Con­cept Art Video gewech­selt. Das macht mir rich­tig Lust, etwas zu zeich­nen! Doch so viel Zeit habe ich nicht mehr. Die Kan­ne Tee wird wohl lei­der auch nicht leer, bevor ich gehe. Aber ich kann es trotz­dem ver­su­chen!

Um zehn Uhr fünf­zig klin­gelt es an der Tür. Mama hat mei­ne alte Play­Sta­ti­on 3 im Gepäck, die sie bis­her zum Blu­eR­ay-Gucken benutzt hat.

Kurze Zeit später…

Wie sich her­aus­stellt, kauft Game­S­top das alte Modell nicht mehr an und selbst für die Slim-Ver­si­on gäbe es nur zwan­zig Euro. Dumm gelau­fen. Jetzt muss das Ding im Schließ­fach eines Kauf­hau­ses war­ten. Schon klar, dass man auf eBay mehr Glück damit hät­te, aber wer hat schon Lust dazu?

Bevor ich uns um zwölf zwei gro­ße Kaf­fee bei Star­bucks bestel­le, besu­chen wir ver­hee­ren­der­wei­se den Mit­tel­al­ter­markt. Mit dem Wis­sen, dass das nie­mals fol­gen­los bleibt!
Schö­ne Stei­ne, Schmuck und beson­ders schlimm ist die­ser Räu­cher- und Gewürz­stand!
Vor­erst habe ich mir „nur“ einen Ring mit Mond­stein gekauft, aber wer­de defi­ni­tiv zurück kom­men und Räu­cher­werk und Stei­ne besor­gen!

Einen Kaf­fee und einen ergeb­nis­lo­sen Geschäf­te-Bum­mel spä­ter erle­di­ge ich noch schnell und lieb­los mei­nen Ein­kauf für das Essen heu­te und mor­gen und dann gehen wir getrenn­ter Wege. Noch immer ver­mis­se ich mei­ne Lieb­lings­kas­sie­re­rin und hof­fe, sie ist bloß in Urlaub.

Zuhau­se ange­kom­men fin­de ich uner­freu­li­che Post im Brief­kas­ten und hei­ze unab­hän­gig davon schon beim Aus­pa­cken der Ein­kaufs­ta­sche den Ofen für eine fest­li­che Tief­kühl­piz­za vor. Ich habe Hun­ger und mir sehnt nach The Haun­ting Of Hill House.

Um zwan­zig nach vier kom­me ich von einer lan­gen Dusche aus dem Bad zurück.
Vor­mit­tags fühl­te ich mich noch zum Zeich­nen inspi­riert und dach­te, das spä­ter in Taten umzu­set­zen. Nach dem Mit­tag wur­de ich müde und habe jetzt kei­ne gro­ße Lust, noch etwas anzu­fan­gen. Unter der Dusche dach­te ich dar­über nach, ob ich mich dazu zwin­gen soll­te. Dann hät­te ich auch was auf Insta­gram zu pos­ten. Ande­rer­seits soll ja heu­te frei sein und der Plan war, mor­gen erst wie­der mit der Arbeit anzu­fan­gen.
Viel­leicht soll­te ich mich ein­fach der Faul­heit hin­ge­ben, noch einen Kaf­fee trin­ken, dazu Mis­ter Tom essen und wei­ter Net­flix frö­nen.

Siebzehn Uhr einundfünfzig

Ich rin­ge mit mir, ob ich nicht doch was zeich­ne. Aber ich bin so müde…
Viel­leicht nur eine klei­ne Skiz­ze auf dem Sofa?

Acht­zehn Uhr vier­und­fünf­zig: Was?! Ich habe so lan­ge für so ein kra­ke­li­ges Hill House (Haus) gebraucht?! Archi­tek­to­ni­sches ist echt nicht mei­ne Stär­ke. Aber ich will’s ver­su­chen.

Viel­leicht gucke ich jetzt noch eine Fol­ge, dann sind für mor­gen nur noch zwei übrig und dann ist die Staf­fel durch. Und dann kann ich ohne Ablen­kung arbei­ten. Nur eine der Lügen, die ich mir selbst erzäh­le.
Aber eben kurz das Jour­nal che­cken. Was stand noch für heu­te an? Soll­te man sich eigent­lich mer­ken müs­sen, ist ja an einem frei­en Tag nicht viel gewe­sen.
Nur Blog und Insta­gram. Letz­te­res habe ich soeben erle­digt, Blog dann wohl vor dem Schla­fen­ge­hen, der Tag ist ja noch nicht vor­bei!

Also gut, eine noch…

Neunzehn Uhr fünfundvierzig: ich verhungere.

Um ein­und­zwan­zig Uhr zwei­und­fünf­zig lie­ge ich auf dem Sofa her­um. Leben­dig. Ich bin nicht ver­hun­gert. Ich habe es gera­de noch recht­zei­tig geschafft Spa­ghet­ti zu kochen. Mit Spi­nat, getrock­ne­ten Toma­ten, Knob­lauch, Scha­lot­ten, Oli­ven und Son­nen­blu­men­ker­nen.
Und da ich ja noch nicht genug von Hor­ror hat­te, habe ich mir beim Abend­essen „Spi­der­ho­le“ ange­se­hen.
Zuge­ge­ben: die Beschrei­bung des Films habe ich nicht gele­sen. Dar­um hat­te ich auch was ganz ande­res erwar­tet. Zum Bei­spiel, dass Spin­nen eine grö­ße­re Rol­le spie­len wür­den. Aber egal. So schlecht wie sei­ne Bewer­tung fand ich ihn gar nicht. Habe durch­aus schon viel schlech­te­re Hor­ror­fil­me gese­hen.

Jetzt, um ziem­lich genau zwei­und­zwan­zig Uhr bin ich schon ganz schön müde und will schla­fen gehen.

Gute Nacht!

Geschrieben von Miriam Esdohr