Miris Orbit

Vom Schreiben, Zeichnen und Science Fiction

Skýmir Kurzgeschichte »Dschungel«

Irgend­wie sieht mein Brow­ser heu­te so anders aus, oder war das schon län­ger so?
Na, egal.

Ich habe es nicht mehr für mög­lich gehal­ten, aber ich habe es irgend­wie geschafft heu­te die nächs­te Kurz­ge­schich­te und Illus­tra­tio­nen fer­tig zu bekom­men und das Gan­ze dann auch noch zu myco­mics hoch­zu­la­den. Wer da lesen möch­te und eine Bewer­tung dalas­sen will, möge das gern hier tun.

Natür­lich gibt es die Geschich­te auch hier im Blog. Also jetzt gleich. Aus­nahms­wei­se zur sel­ben Zeit im Blog wie auf myco­mics.
Die­ses Mal geht es auch bei Yng­vi wei­ter, wo es zuletzt auf­ge­hört hat. Sie macht sich näm­lich auf den Weg zurück nach wo-auch-immer-sie-her­kam (wohl irgend­wo in Del­lin­gur). Aber kommt sie da auch an?

Skymir "Dschungel" Cover Illustration

Dschungel

Yng­vild Hijg­jold dräng­te sich durch die Men­schen­men­ge, die sich mit der ein­bre­chen­den Dun­kel­heit Zuwachs gefun­den hat­te.
Later­nen, die zwi­schen den Zel­ten und Hüt­ten sowie davor hin­gen oder stan­den, beleuch­te­ten den Markt.
Die Luft war ange­nehm, wenn es ihr auch etwas küh­ler vor­kam als zuvor.
Gern hät­te sie sich noch wei­ter umge­se­hen. Oder zumin­dest dach­te sie das, bevor sie bei die­ser Wahr­sa­ge­rin gewe­sen war, die ihr irgend­wie die Lau­ne ver­dor­ben hat­te. Aber was hat­te sie eigent­lich auch erwar­ten sol­len? Eine fro­he Bot­schaft viel­leicht?
Egal, sie soll­te sich ohne­hin bes­ser auf den Rück­weg machen.

Kur­ze Zeit spä­ter saß sie auch schon in ihrem Sky­jet und der Markt unter ihr wur­de klei­ner und klei­ner. Jetzt bemerk­te sie erst, wie dun­kel es wirk­lich gewor­den war.
Sie zog einen Hebel zurück und schal­te­te das Radio ein. Viel­leicht wür­de sie das ein wenig mil­der stim­men.
Tat es nicht. Das Geplär­re wel­ches manch ande­rer Gesang nen­nen moch­te, ging ihr auf die Ner­ven. Also wech­sel­te sie den Kanal, wo zu ihrem Unmut auch nichts Brauch­ba­res lief. Wütend stöhn­te sie auf und wech­sel­te den Kanal erneut. Irgend­ei­ne kit­schi­ge Schnul­ze, damit konn­te sie nichts anfan­gen. Sie ver­such­te trotz­dem, es eine Wei­le zu ertra­gen.
Abwech­selnd sah sie beim Steu­ern durch die Front­schei­be vor ihr, obwohl in der Dun­kel­heit kaum was zu erken­nen war, dann auf die digi­ta­le Anzei­ge die ihr bei der Ori­en­tie­rung um eini­ges hilf­rei­cher war und dann zum Radio. Das Radio mach­te sie all­mäh­lich wütend, auch wenn es albern war. Sie schlug mit der Faust auf die Stel­le, an der sich der Power-But­ton befand, um es aus­zu­schal­ten. Jetzt war es ruhig und sie flog wei­ter durch den dunk­len Abend­him­mel.

Nach einer Wei­le bereu­te sie es dann irgend­wie, das Radio aus­ge­stellt zu haben. War es nun nicht etwas zu ruhig? Außer­dem war es kin­disch gewe­sen, die – sogar ihrer eige­nen Mei­nung nach – über­trie­be­ne Wut an dem Gerät aus­zu­las­sen. Sie war eben lau­nisch.
Die Kom­man­dan­tin atme­te ein­mal tief durch und stell­te das Radio wie­der an.
Her­aus kam ein nerv­tö­ten­des Geräusch, als hät­te jemand sei­nen Sen­der in eine Brat­pfan­ne mit hei­ßem Öl gelegt. Aber sie wuss­te, es han­del­te sich um den zivi­len Kanal, da war der Emp­fang häu­fi­ger gestört. Jemand sag­te etwas, sie konn­te es kaum ver­ste­hen.

»…Chrrrrkk… nicht gefun­den. Es han­delt sich offen­bar um …chrrrrkkk…! Wie­der­ho­le: …chhrrrrrk… an der Absturzstelle…chrrrrrrrkkk…«

Mehr war nicht her­aus­zu­hö­ren. Dann folg­ten wie­der­holt Num­mern, die nur die Koor­di­na­ten sein konn­ten. Yng­vild schal­te­te auf Auto­pi­lot und tipp­te sie has­tig in das Posi­ti­ons­be­stim­mungs­sys­tem, bevor sie sie ver­gaß. Sie hoff­te, die Zah­len rich­tig ver­stan­den zu haben, aber es schien irgend­wo in der Gegend von Smaalad zu lie­gen. Das war ver­dammt weit für einen spon­ta­nen Abste­cher! Und noch dazu die ent­ge­gen­ge­setz­te Rich­tung.
In Smaalad herrsch­te eine tro­pi­sches Kli­ma, wäh­rend sie gemä­ßig­te bis sub­po­la­re Zonen gewohnt war und auch bevor­zug­te.
Sie rang mit sich, ob sie den Weg auf sich neh­men soll­te.
Aber war­um eigent­lich nicht? Sie wur­de sowie­so von Schlaf­stö­run­gen geplagt und viel­leicht konn­te sie mit ihrem Wach­sein sogar jeman­dem hel­fen.
Sie schal­te­te zurück auf manu­el­le Steue­rung und mach­te in einem schar­fen Bogen in süd­li­che Rich­tung.

Ihre Augen brann­ten und ihr Glie­der schmerz­ten vom lan­gen, ein­ge­eng­ten Sit­zen, als sie end­lich die Gegend um Smaalad erreich­te. Trotz­dem hat­te sie lie­ber selbst die Kon­trol­le, anstatt alles dem Auto­pi­lo­ten zu über­las­sen.
Mit der Betä­ti­gung eines wei­te­ren Hebels setz­te sie tie­fer, um bes­ser sehen zu kön­nen.
Ent­we­der lag es an der Gegend oder an der Uhr­zeit, oder an Bei­dem, dass es jetzt wie­der etwas hel­ler war. Sie befand sich über einem Dschun­gel, zu dem die Koor­di­na­ten sie geführt hat­ten. Gute Sicht herrsch­te aber trotz­dem nicht. Wegen der Bäu­me und des Nebels.
Trotz­dem erkann­te sie, dass eine Rauch­schwa­de aus der Mit­te auf­stieg und lei­te­te eine Lan­dung ein.

Viel Platz für irgend­wel­che Manö­ver gab es nicht, aber um sich einen Marsch von einem güns­ti­ge­ren, weni­ger bewach­se­nen Land­fleck bis zur ver­meint­li­chen Unfall­stel­le zu erspa­ren, wähl­te sie den direk­ten Weg.
Rau­schend und beglei­tet vom Peit­schen und Kna­cken der Äste, bahn­te sich der Sky­jet sei­nen Weg durch die Baum­wip­fel, bis er schließ­lich den Boden erreich­te.
Ein paar Krat­zer hat­te er dabei schon abbe­kom­men, stell­te die Kom­man­dan­tin beim Aus­stei­gen fest. Im Vor­bei­ge­hen streif­te sie mit der behand­schuh­ten Hand dar­über und begab sich in Rich­tung Rauch­wol­ke, höchs­tens hun­dert Meter ent­fernt von ihrem Lan­de­platz.

Das Schiff war ein recht klei­nes, nicht ein­mal grö­ßer als die Trup­pen­trans­por­ter ihres Ordens. Und die boten Platz für sechs Mann, plus einen Pilo­ten.
Tei­le davon waren ver­brannt, beson­ders die vor­de­re Hälf­te sah mit­ge­nom­men aus, war beim Auf­prall wei­test­ge­hend zer­stört wor­den. Der Hin­ter­teil hat­te feu­er gefan­gen, nun brann­te es nur noch ein wenig vor sich hin.
Yng­vild steck­te ihren Kopf durch die offe­ne Tür, blick­te erst nach rechts, dann nach links.
Es war kei­ner da. Kei­ne Über­le­ben­den, kei­ne Toten. Sie lehn­te sich ins Cock­pit und ver­such­te eines der Fächer zu öff­nen. Viel­leicht wür­de sie dar­in Lizen­zen oder ande­re Hin­wei­se auf die Her­kunft des Schif­fes oder des Pilo­ten fin­den. Aber da war nichts. Den Teil, der in Flam­men stand, wenn es auch nur noch ein klei­nes Feu­er­chen war, woll­te sie nicht betre­ten.
Sie sah sich noch kurz um die Absturz­stel­le her­um um, fand aber kei­ne Spu­ren von irgend­wel­chen Insas­sen, auch wenn es mit Sicher­heit wel­che gege­ben hat­te.

Wie­der im Sky­jet schnall­te sie den Sicher­heits­gurt um. Sie seufz­te bei der Erkennt­nis, dass sie wohl für nichts und wie­der nichts den lan­gen Weg hin­ter sich gelegt hat­te.

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Skýmir Kurzgeschichte »Licht Und Schatten«

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  1. Mamsel

    Ich habe es ja schon bei myco­mics geschrie­ben, wie fes­selnd du schreibst und wie auch auch immer ein gewis­ses Etwas Humor dabei ist, dazu die Zeich­nun­gen, die einen klei­nen Blick auf die Welt von Sky­mir wer­fen lässt. Ich freue mich schon…

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