Miris Orbit

Vom Schreiben, Zeichnen und Science Fiction

Skýmir Kurzgeschichte »Licht Und Schatten«

Auf den letz­ten Drü­cker doch noch fer­tig gewor­den und ein­ge­reicht, mei­ne Geschich­te zum »Licht/​Schatten« The­ma des Inkto­ber Warm-Up. Die Geschich­te war eigent­lich ja auch recht zei­tig fer­tig, aber zu den Illus­tra­tio­nen bin ich erst zum Wochen­en­de hin gekom­men und habe Sonn­tags (also ges­tern) dann noch alles »schnell« fer­tig gemacht. Dafür habe ich dann mei­nen frei­en Tag auf heu­te gelegt.
Ehr­lich gesagt hät­te ich gern noch einen, weil ich nicht alles was ich machen woll­te, in einen Tag quet­schen konn­te. Sto­ry of my life.

In der Geschich­te »Licht Und Schat­ten« geht es die­ses Mal um Yng­vild. Das neue The­ma ist »Dschun­gel«. Mal sehen, was mir dazu ein­fällt. Mir fällt bestimmt was ein, aber ich wür­de ja gern einen Über­gang von einer Sto­ry zur nächs­ten schaf­fen. Die­se Kurz­ge­schich­te ist näm­lich an die ers­te – näm­lich »Sprung« – ange­knüpft. Ich hof­fe, das gelingt mir auch bis zum Ende, das ist näm­lich der Plan. Wird schon irgend­wie, glau­be ich.

Also, los geht’s!

Skýmir Kurzgeschichte »Licht Und Schatten«

Die Kom­man­dan­tin schloss die Datei und leg­te das Data­pad bei­sei­te, als die älte­re Dame wie­der von hin­ter dem Vor­hang her, in den Raum hin­ein zu ihr hin­über trip­pel­te. Der Vor­hang war eigent­lich nichts wei­ter als ein Laken, das zwi­schen einer Kon­struk­ti­on aus zwei Holz­pfäh­len an je einer Sei­te und einem rechts angren­zen­den Para­vent gespannt wor­den war. Was sich dahin­ter ver­barg, ver­moch­te sie nicht zu erah­nen. Jedoch war die gedrun­gen wir­ken­de Frau, die wie Yng­vild schwar­zes Haar hat­te, wel­ches aller­dings bereits leicht ergraut war, eini­ge Zeit dort­hin ver­schwun­den. Yng­vild hat­te die Zwi­schen­zeit genutzt, indem sie den Mis­si­ons­be­richt von einer der Gefrei­ten ihrer Ein­heit las. Auch wenn sie es nicht lei­den konn­te, wenn man sie war­ten ließ.

»Gut, gut, Frau… äh…« begann die Frau mit dem grau­me­lier­ten Haar. »Hijg­jold. Kom­man­dan­tin Hijg­jold.« half Yng­vild ihr auf die Sprün­ge. War­um muss­te sie in der Gegend hier bloß jeden an ihren Titel erin­nern?
»Ah, rich­tig! Ver­zei­hen Sie mein Gedächt­nis ist nicht das bes­te.« ent­schul­dig­te sie sich. Yng­vild nick­te kurz und mach­te ein ver­knif­fe­nes Gesicht. Das tat sie fast immer, es fiel ihr nur nicht auf.
»Also Frau Kom­man­dan­tin, es ist alles vor­be­rei­tet. Wir kön­nen begin­nen.« ver­kün­de­te die Dame und setz­te sich, äch­zen­de Geräu­sche von sich gebend und umständ­li­cher als nötig auf das Sitz­kis­sen gegen­über Hijg­jold. Zwi­schen ihnen befand sich ein klei­ner, run­der Holz­tisch mit einer bren­nen­den Ker­ze dar­auf, die ruhig vor sich hin brann­te und die Schat­ten noch dunk­ler wir­ken ließ. Zusam­men mit den Later­nen, die das Inne­re des Zel­tes beleuch­te­ten und glei­cher­ma­ßen zier­ten, spen­de­te sie ein war­mes, sach­te fla­ckern­des Licht.

»Und was genau machen sie? Aus mei­ner Hand lesen?«
Noch nicht ganz die Hal­tung gefun­den, in der sie bequem sit­zend ihr Werk ver­rich­ten konn­te, rutsch­te die Frau auf ihrem Kis­sen her­um. Dann hol­te sie ein bunt bestick­tes Stoff­beu­tel­chen her­vor und sag­te: »Hand­le­sen? Nein, sowas mache ich nicht. Das sind doch alles Schar­la­ta­ne, die sowas machen.«

Dann schüt­tel­te sie das Beu­tel­chen, zog sie die Schnur die ihn ver­schloss auf und schüt­te­te des­sen klim­pern­den Inhalt auf den Tisch.
»Ich lese aus Teil­chen!«
Ungläu­bi­gen Blicks mus­ter­te Yng­vild die klei­nen Metall­stü­cke, Schrau­ben und Sprung­fe­dern, die über den Tisch ver­streut lagen.
»Gut mög­lich, dass davon ein paar zu Ihren Schif­fen gehö­ren!« konn­te sich die Wahr­sa­ge­rin ein Kichern nicht ver­knei­fen.
Die Kom­man­dan­tin igno­rier­te das.
»Noch nie von sowas gehört.« tat sie ihrer Skep­sis kund und ver­schränk­te die Arme vor der Brust.
»Natür­lich! In Del­lin­gur sind sol­cher­lei Prak­ti­ken ja auch ver­bo­ten. Sogar das Hand­le­sen. Das kennt jeder, sogar die Del­lin­gu­ra­ner, aber es gibt vie­le Metho­den.«Yng­vild schwieg und ließ ihren stren­gen Blick für sich spre­chen.
»Sie wer­den über den Wahr­heits­ge­halt über­rascht sein. Also, was haben wir da…«

Die Frau wid­me­te sich jetzt dem Häuf­chen Schrott-Tei­le, indem sie sie genau­es­tens betrach­te­te und schein­bar suchend mit einer ihrer Hän­de dar­über fuhr. Yng­vild ent­deck­te dar­auf ein paar Alters­fle­cken.

»Mhm…«
Yng­vild schwieg wei­ter.
»Aha…«
Yng­vild roll­te mit den Augen.
»Ich ver­ste­he…«
Schwei­gen. Die Kom­man­dan­tin wei­ger­te sich, neu­gie­rig nach­zu­fra­gen.

»Sehen Sie, wie die­se Teil­chen zusam­men lie­gen?« deu­te­te ihr Gegen­über auf eine klei­ne Ansamm­lung von Irgend­was.
»Was ist das? Eine Schrau­be, eine win­zi­ge Kugel, ein Stück Ple­xi­glas…« ver­such­te die Kom­man­dan­tin etwas dar­in zu erken­nen und schob sie mit den Fin­ger­spit­zen näher an sich her­an.
»Das sym­bo­li­siert all Ihre Aspek­te. Die, die Ihnen mit ins Leben gege­ben wur­den.«
Yng­vild kniff ange­strengt die Augen zusam­men und leg­te die Hän­de auf den Tisch.

»Das da…« begann die Frau und berühr­te einen Plas­tik­split­ter, auf dem der Teil eines Auf­drucks zu erken­nen war. »Das ist der Aspekt – oder die Aspek­te – , die Sie lie­ber für sich behal­ten. Die Sei­ten, die Sie für schlecht hal­ten, oder die nicht akzep­tiert sind, ent­we­der von Ihnen selbst oder von der Gesell­schaft in der Sie leben.«
Yng­vild sah unter geho­be­nen Augen­brau­en her­vor in das Gesicht der Wahr­sa­ge­rin.
»Das ist nor­mal, jeder hat eine hel­le und eine dunk­le Sei­te. Sie aber ver­su­chen, ihre ›Schat­ten­sei­ten‹ zu ver­ste­cken.« knüpf­te die­se an ihre Deu­tung an.»Tut das nicht jeder?” warf Hijg­jold unbe­ein­druckt ein.
»Der eine mehr, der ande­re weni­ger. Bei Ihnen aber sehe ich ein Pro­blem. Das Nicht-Auf­ar­bei­ten, das sich Nicht-Aus­ein­an­der­set­zen mit die­ser ihren dunk­len Sei­te Ihrer selbst – und ich glau­be, es han­delt sich hier um eine ganz spe­zi­fi­sche Sache, ein schwer­wie­gen­des Dilem­ma – belas­tet Sie zuneh­mend. Aber nicht nur das… da ist noch mehr…«

Eif­rig husch­te der Blick der älte­ren Dame über den Tisch. Plötz­lich ver­zog sie ver­schreckt das Gesicht.
»Das hier, das sieht gar nicht gut aus!«
Bei­na­he ängst­lich – als ob sie sich wirk­lich sor­gen wür­de – leg­te die Frau ihre Hän­de um Yng­vilds, bevor sie sie weg­zie­hen konn­te und glotz­te sie aus nächs­ter Nähe an.
Yng­vild wuss­te nicht, ob ihr das unan­ge­neh­mer war, oder das, was dar­auf folg­te.
»Neh­men Sie die Din­ge in die Hand, mei­ne Lie­be! Sie müs­sen etwas tun, bevor ihr Geheim­nis, oder was immer es ist, was ich hier sehe, Ihnen zuvor­kommt!«
Kom­man­dan­tin Hijg­jold ver­such­te erneut, sich der Berüh­rung der ande­ren Frau zu ent­zie­hen, die aber hielt sie an den Fin­gern fest. Sie hat­te noch etwas in pet­to:
»Viel­leicht ist es etwas, aus Ihrer Ver­gan­gen­heit, was Sie ein­holt, aber ich sehe Gefahr! Sie, Lie­bes, sind in Gefahr! Sehen Sie sich vor!« betrof­fen Schüt­tel­te sie den Kopf, als sie die­se War­nung aus­sprach.

End­lich konn­te Yng­vild sich aus dem Griff befrei­en, stand ener­gisch auf, fass­te sich dann aber wie­der.
»Dan­ke.« sag­te sie schließ­lich, gera­de im Begriff zu gehen.

»War­ten Sie!«
Yng­vild dreh­te sich noch­mal um.
»Zu Ihrem Schutz. Das wird hel­fen!” sag­te die Dame, die noch immer da saß und hielt einen klei­nen, glatt glän­zen­den Gegen­stand hoch.
Die Kom­man­dan­tin mach­te einen Schritt auf sie zu, streck­te die Hand aus, doch die Wahr­sa­ge­rin zog die ihre wie­der zurück.
»Kos­tet bloß zehn Credits.« lächel­te sie gön­ner­haft.
Yng­vild ließ den Arm sin­ken.
»Wie Sie bereits sag­ten, Divina­ti­on und Der­glei­chen dul­den wir in Del­lin­gur nicht. Da Tor­pa die ein­zi­ge Sied­lung der Außen­welt ist, mit der ein Frie­dens- und ab heu­te auch ein Han­dels­bünd­nis besteht, rate ich Ihnen, sich eine Lizenz für ihr ›Geschäft‹ zu besor­gen.« belehr­te sie und füg­te nach einer kur­zen Denk­pau­se mit auf­ge­setz­tem Lächeln hin­zu: »Viel Glück dabei!«
Dann mach­te sie end­gül­tig kehrt und ver­ließ das Zelt.

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Skýmir Kurzgeschichte »Dschungel«

  1. Mamsel

    Span­nend, über­sinn­lich und witzig,hihi Schrott-Runen😃. Hat den die Hijg­jold das Schutz­ding nicht bekom­men? Weil sie zu gei­zig war?

  2. Mamsel

    😯 aber dann ist sie nicht geschützt?

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