Skýmir Kurzgeschichte »Magisch«

Das ist das Fina­le! Hier­mit geht die klei­ne Fort­set­zungs-Geschich­te zum Inkto­ber Warm-Up zuen­de. Zu lesen gibt’s die Sto­ry wie gewohnt am Ende die­ses Bei­tra­ges. Das The­ma »magisch« hat vie­le Mög­lich­kei­ten gebo­ten, oh ja. Und ab heu­te läuft dann der rich­ti­ge Inkto­ber. Im Moment habe ich gera­de so vie­le Ide­en für Ský­mir, ich muss mir die alle auf­schrei­ben, sonst ver­ges­se ich das bis nächs­ten Monat wie­der. Ich gehe vor­sichts­hal­ber mal davon aus, dass ich nicht all­zu viel Zeit in mein eige­nes Pro­jekt ste­cken kann, wäh­rend des Inkto­ber. Aber es kann auch auf kei­nen Fall aus­ge­schlos­sen wer­den. Plus: Inkto­ber kann ich ja auch zu Ský­mir zäh­len!

Heu­te geriet ich so etwas unter Zeit­druck, des­we­gen kommt der Bei­trag im Blog heu­te so spät. Aber bes­ser spät als nie, sage ich mir immer.
Erst dach­te ich, ich wür­de mei­ne Inkto­ber-Bei­trä­ge hier auch pos­ten und somit even­tu­ell öfter blog­gen. Aber ich bin zu einem ande­ren Schluss gekom­men. Ich werd’s eher auf Insta­gram hal­ten und spä­ter die gesam­mel­ten Wer­ke zusam­men­stel­len.
Ach ja! Ich will viel­leicht dann auch die­sen Monat ein biss­chen strea­men. Also ein Live-Stream auf Twitch, wahr­schein­lich kom­me ich auch nicht jeden Tag zum strea­men und wahr­schein­lich mache ich das mit einem Freund zusam­men (viel­leicht nicht immer), wes­we­gen das gan­ze auf Eng­lisch sein wird. Man kann mich im Chat natür­lich trotz­dem auf Deutsch anspre­chen. Wenn ich live gehe, wer­de ich das vor­her auf mei­nem Twit­ter-Account ver­kün­den. Wer schon­mal abon­nie­ren will, mein Nut­zer­na­me auf Twitch ist mirid­raws.

Also zum letz­ten Teil der Kurz­ge­schich­te. »Magisch« kann man auch wie­der hier auf mycomics.de lesen und über eine Bewer­tung wür­de ich mich wie immer freu­en.

Los geht’s!

Magisch

Yng­vild star­te­te den Motor. Das gewohn­te Sum­men stell­te sich ein und die Beleuch­tung der Anzei­gen sowie das klei­ne Ober­licht blink­ten auf. Doch dann erstarb alles tech­ni­sche Leben wie­der und sie saß im Halb­dun­kel des Dschun­gels in ihrem Sky­jet.
»Ver­dammt, was ist das denn jetzt?!« fluch­te sie lei­se und ver­such­te es erneut. Kei­ne Reak­ti­on.
Wütend schlug sie mit der fla­chen Hand auf eine der Schalt­flä­chen. Wie­der reg­te sich nichts.
Die Kom­man­dan­tin hol­te das Data­pad aus der Tasche die neben ihr auf dem Boden lag, schal­te­te es ein, öff­ne­te die Nach­rich­ten-Appli­ka­ti­on und begann mit der Ein­ga­be ihres Hil­fe­rufs.

»Hijg­jold hier. Sit­ze fest, Sky­jet ver­mut­lich defekt. Bit­te sen­den Sie umge­hend Hil­fe.«

Gera­de woll­te sie die Koor­di­na­ten ein­ge­ben als sie eine Sys­tem-Mit­tei­lung erhielt: »Kein Netz. Ver­su­chen Sie es zu einem spä­te­ren Zeit­punkt erneut.«
Yng­vild hob die Augen­brau­en, rieb sich die stirn und lach­te laut­los kopf­schüt­telnd auf, obwohl ihr über­haupt nicht zum Lachen zumu­te war. Resi­gniert stell­te sie das Data­pad wie­der aus und leg­te es bei­sei­te.
»War­um aus­ge­rech­net jetzt?« seufz­te sie und ließ mut­los den Kopf auf das Arma­tu­ren­brett sin­ken. So ver­blieb sie eine Wei­le, ver­grub dann die Hän­de in ihrem zer­zaus­ten, schwar­zen Haar und ver­such­te nach­zu­den­ken. Sie lehn­te sich zurück. Lang­sam schlich sich die Müdig­keit ein.

Kla­ckend öff­ne­te sie erst den Sicher­heits­gurt, dann die Tür. Wie­der im Frei­en umging sie ihr Gefährt bis dahin, wo sich der Motor befand.
Plötz­lich hör­te sie ein Geräusch, irgend­wo aus dem Gebüsch hin­ter ihr. Ein Kna­cken und Rascheln. Flink dreh­te sie sich um ihre eige­ne Ach­se, auf das Schlimms­te gefasst, was auch immer das sein moch­te und starr­te in die Böschung.Ein Vogel hüpf­te her­vor, dann flog er davon.
Erleich­tert locker­te sich ihre Kör­per­hal­tung wie­der.

Sie sah sich um, irgend­et­was stimm­te hier trotz­dem nicht. Sie hat­te das Gefühl, nicht allein zu sein. Sie starr­te erneut mit zusam­men­ge­knif­fe­nen Augen ins Dun­kel des Geästs, der Sträu­cher und Bäu­me, konn­te aber nichts erken­nen.
In dem­sel­ben Moment, in der sie sich wie­der ihrem Flug­ge­rät zuwand­te, spür­te sie es ganz deut­lich.

Ein Schwarm Vögel flat­ter­te hör­bar auf. Blitz­schnell zisch­te etwas an ihr vor­bei. Intui­tiv warf Yng­vild sich sofort zu Boden, das Geschoss ver­fehl­te sie knapp.
Has­tig stol­per­te sie halb geduckt hin­ter den Sky­jet, ein wei­te­rer Schuss traf an ihr vor­bei ins Lee­re.
Schlag­ar­tig hell­wach vor Schreck schnapp­te sie nach Luft, sah ner­vös nach links, dann nach rechts. Sie hoff­te, ihre Flan­ken waren sicher. Ganz vor­sich­tig lehn­te sie sich ein Stück zur Sei­te um einen Blick hin­ter sich wer­fen zu kön­nen. Lang­sam späh­te sie am Rumpf ent­lang, ver­such­te so wenig wie mög­lich ins Visir des unsicht­ba­ren Schüt­zen zu gera­ten.

Klong! Sie zuck­te zusam­men und wich in ihre Deckung zurück, als eine Kugel in unmit­tel­ba­rer nähe ihres Gesichts abprall­te.
Defi­ni­tiv ver­steck­te sich jemand in die­ser Rich­tung, aber wenn er nicht allein war, wäre es ein Leich­tes, sie zu umzin­geln. Sie muss­te eine bes­se­re Zuflucht fin­den.
Ohne die Umge­bung aus den Augen zu las­sen, tas­te­te sie ihren rech­ten Ober­schen­kel ab und war erleich­tert, als sie das Beinhalf­ter mit der Hand­feu­er­waf­fe dar­in spür­te. Wie gut, dass sie auf Num­mer Sicher gegan­gen war und zumin­dest die­se mit­ge­nom­men hat­te. Sie erin­ner­te sich jetzt.
Vor sich, in etwa einem hal­ben Meter Ent­fer­nung sah sie einen Baum, mit einem beson­ders dicken Stamm. Dahin wür­de sie es schaf­fen.
Noch ein letz­tes Mal sah sie sich nach allen Sei­ten um, dann zähl­te sie »Eins, zwei, drei…« und rann­te was das Zeug hielt.

Zwei wei­te­re Schüs­se fie­len, einer traf den Baum, der ande­re den Boden unter ihren Füßen.
Sie hat­te es geschafft, press­te sich mit dem Rücken gegen den Baum. Sie glaub­te in der Ent­fer­nung das Knir­schen von Ästen zu hören. Wahr­schein­lich zog der Schüt­ze nach.
Sie hol­te die Pis­to­le aus dem Half­ter in ihrem Bein, über­prüf­te das Maga­zin. Bei­de Hän­de, die trotz Hand­schu­hen ekel­haft kalt und schwei­ßig gewor­den waren, umklam­mer­ten die Waf­fe fest.
Sie lausch­te in die Stil­le, bis sie wie­der glaub­te etwas zu hören und feu­er­te aus der Deckung her­aus in die Rich­tung, aus der das Geräusch kam. Jäh ver­schwand jemand phan­tom­ar­tig im Gebüsch hin­ter ihr. Yng­vild schoss erneut. Wahr­schein­lich dane­ben.
Ihr Herz poch­te wild, aber äußer­lich war sie ganz ruhig. Noch ein Stück vor sich sah sie eine ande­re, bes­se­re Deckung in Form eines Bau­mes, des­sen Wur­zeln aus der Erde geris­sen wur­den, als er irgend­wann ein­mal umge­fal­len war.
Kurz sah sie hin­ter sich, feu­er­te eine wei­te­re Kugel ab und stürz­te auf ihr Ziel los. Die­ses Mal ohne zu zäh­len. Ihr Sprint wir­bel­te Blät­ter und Äste unter ihren Soh­len auf, sie has­te­te auf den umge­kipp­ten Baum zu, ihr Schuss wur­de erwi­dert und traf ihn, gera­de als sie sich dar­über hin­weg stürz­te und sicher auf der ande­ren Sei­te lan­de­te.
Fie­ber­haft schob sie noch im Lie­gen Laub, Äste und Erde mit den Füßen zur Sei­te und schau­fel­te sich dadurch eine klei­ne Kuh­le. So hoff­te sie, wür­de man sie schwe­rer ent­de­cken und mach­te sich mög­lichst klein.

Dass der, der es da auf sie abge­se­hen hat­te, allein war, schien ihr eher unwahr­schein­lich.

Wie­der ris­kier­te sie einen Blick, die Waf­fe Schuss­be­reit. Es rühr­te sich nichts, kom­plet­te Stil­le. Das war nicht gut. Sie wuss­te, dass er nicht ein­fach auf­ge­ge­ben hat­te. Kal­ter Schweiß perl­te jetzt auch auf ihrer Stirn und sie wisch­te sich eine Sträh­ne aus dem Gesicht, wäh­rend sie wei­ter Aus­schau hielt. Noch immer sah sie nichts. Wo war er nur hin?

Unver­mit­telt durch­zog sie ein dump­fer Schmerz, zwi­schen ihren Ohren dröhn­te es fürch­ter­lich. Sie sack­te zu Boden, wälz­te sich, hielt sich den Kopf, spür­te aber kein Blut.
Gera­de noch so konn­te sie einem zwei­ten Schlag auf den Kopf aus­wei­chen, indem sie sich zur Sei­te roll­te.
Alles war ver­schwom­men, ihr wur­de übel, der Angrei­fer ver­such­te es aber­mals.
Wie­der wich sie aus, sah die Gele­gen­heit und trat ihm so fest sie aus dem unglück­li­chen Win­kel her­aus konn­te in die Knie­keh­le. Er fiel hin. Trotz des Schwin­del­ge­fühls das sie zu über­man­nen droh­te, ver­such­te sie sich auf­zu­rich­ten. Kaum auf den wacke­li­gen Bei­nen ste­hend wur­de sie wie­der hin­un­ter geris­sen. Der Mann, des­sen Gesicht sie kaum wahr­nahm, drück­te sie gewalt­sam zu Boden, mach­te Geräu­sche wie ein wil­des Tier und schloss sei­nen Griff fest um ihre Keh­le.
Sie rang nach Luft, schlug mit den Fäus­ten auf sei­ne Schul­tern und Rücken ein, wie sie konn­te, stram­pel­te beim ver­such ihm zwi­schen die Bei­ne zu tre­ten, doch sie schaff­te es nicht.
Er war zu stark und ließ sich nicht auf­hal­ten.

Yng­vild kämpf­te gegen das Ohn­machts­ge­fühl an, bis sie fast gar nichts mehr fühl­te und jeg­li­che Kraft ihren Kör­per ver­las­sen woll­te. Es gab nur noch das Ver­lo­cken, sich der Taub­heit und Lee­re ein­fach hin­zu­ge­ben. Es fühl­te sich egal an und war so ein­fach. Um sie her­um wur­de es schwarz und ruhig.

Dann hol­te sie ein lau­ter Knall zurück in die Wirk­lich­keit und sie sah in das ver­blüff­te Gesicht eines Ver­val­len, der nicht damit gerech­net hat­te, hier und jetzt zu ster­ben. Sie sah ihn, wie er über ihr hock­te und fas­sungs­los die klaf­fen­de Wun­de in sei­nem Bauch anstarr­te. Sie sah auch die Waf­fe in ihrer Hand die dar­auf gerich­tet war und das Blut das über den Lauf bis auf ihre Hand­schu­he und über ihre Jacke gespritzt war.
Dann sank der frem­de Mann in sich zusam­men. Sein Gewicht erdrück­te sie fast, aber mit Mühe und Not wälz­te sie ihn von sich. Er leb­te noch, aber nicht mehr lan­ge. Er dun­kel­ro­te Bla­sen quol­len aus sei­nem Mund und er gur­gel­te vor sich hin, ver­schluck­te sich dar­an. Sie kroch ein Stück vor­an und ließ sich hin­ter dem Baum­stamm sin­ken. Jemand rief etwas. Sie dreh­te den Kopf und mach­te zwei wei­te­re Gestal­ten aus, die auf sie zu lie­fen. Müde aber weni­ger schwin­de­lig stieß sie einen hör­ba­ren, hei­se­ren Seuf­zer aus und ver­such­te auf sie zu zie­len. Als die zwei das sahen, wichen sie ein Stück zurück, ver­such­ten schnell noch Deckung zu fin­den, bevor es sie auch erwisch­te. Yng­vild drück­te den Abzug.

Es klick­te nur. Ihr Maga­zin war leer. Die Bei­den erkann­ten ihre Chan­ce und lie­fen ihr ent­ge­gen. Ver­zwei­felt tas­te­te Yng­vild auf der Suche nach Ersatz­mu­ni­ti­on ihre Taschen ab.

Plötz­lich wur­de es laut und hell, die Baum­kro­nen schie­nen Platz zu machen für einen sich auf­tu­en­den Him­mel und ein blen­den­des Licht, gefolgt von einem Tosen. Die Ver­val­len sahen gen Him­mel, doch es war kein Unwet­ter, son­dern ein wei­te­res Schiff. Yng­vild erkann­te es jetzt, das war die Sil­hou­et­te eines Heimd­all-Kampf­flie­gers! Mit Kara­cho bret­ter­te er auf die Ver­val­len zu, warf sie dabei um, zog sie mit sich und lan­de­te wegen der unter sich leb­los kul­lern­den Kör­per hol­pe­rig.
Im Wind­stru­del wild umher­flie­gen­de Blät­ter und Erde lie­ßen Yng­vild blin­zeln und behin­der­ten ihre Sicht. Aber sie sah, wie jemand aus der sich auto­ma­tisch nach oben auf­klap­pen­den Tür auf sie zu kam. An Sta­tur und Gang konn­te sie erah­nen, um wen es sich han­del­te. Als sie dann das schul­ter­lan­ge, blon­de Haar erkann­te, gab es kei­nen Zwei­fel mehr.
Hil­da Breyska streck­te ihr schief grin­send die Hand ent­ge­gen. Hus­tend hob Yng­vild die ihre und ließ sich hoch­zie­hen.
Etwas tau­me­lig stieg Yng­vild über den lie­gen­den Baum­stamm hin­weg, sodass Hil­da ver­such­te sie mit dem Arm um ihre Hüf­te zu stüt­zen.
»Ich kann allein lau­fen, mir ist nur etwas schwin­de­lig.« grum­mel­te die Kom­man­dan­tin.
»Na, das war aber knapp, was? Ich bin gera­de recht­zei­tig gekom­men, oder?« tri­um­phier­te Hil­da unan­ge­bracht­er­wei­se.

»Ich hat­te alles im Griff.«
Hil­da lächel­te sie arg­wöh­nisch an. Yng­vild erwi­der­te den Blick von unten her­ab, sag­te aber nichts.
»Sind Sie ver­letzt?« frag­te Hil­da beim Ein­stei­gen.

»Nur ein Schlag auf den Kopf, aber es geht schon bes­ser.«
Die jün­ge­re der bei­den Frau­en mus­ter­te sie prü­fend, nick­te aber dann.

Erschöpft plumps­te Hijg­jold in den Sitz neben Hil­da, die gera­de dabei war, die Ziel­da­ten ein­zu­ge­ben.»Haben Sie gese­hen, wie ich die Ver­val­len platt gemacht habe?! Man, das muss ich nach­her Bor­gir erzäh­len!«
»Nur zu, wenn du dich nach lebens­lan­gem Toi­let­ten-Dienst sehnst!«
Yng­vild mus­ter­te Hil­da von der Sei­te und dach­te nach.
»Wie hast du mich gefun­den? Woher wuss­test du…« begann sie, »…dass ich Hil­fe brau­che?« hät­te sie fast den Satz fort­ge­führt, sprach es aber nicht aus.

»Man, der Schlag auf den Kopf muss echt geses­sen haben!« scherz­te Hil­da. Yng­vild sah sie schwei­gend an, offen­sicht­lich nicht amü­siert.
»Sie haben doch einen Not­ruf mit Koor­di­na­ten gesen­det und da habe ich gleich reagiert und bin her­ge­kom­men!«
Ver­wirrt rieb sich Yng­vild die Stirn, etwas Laub fiel dabei aus ihren Haa­ren.
»Doch, sicher. Ich erin­ne­re mich jetzt. Stimmt.« log sie.
»Alles klar?« frag­te Hil­da besorgt.
»Ja, bring uns ein­fach zurück nach Del­lin­gur.«
»Jawohl, Madam!« über­trieb Hil­da mal wie­der.
Yng­vild ächz­te miss­bil­li­gend und schloss dann die Augen, um end­lich etwas Schlaf zu fin­den.

Sie war jetzt in Sicher­heit. Was sie nicht wuss­te war, dass aus ihrer Geld­bör­se in der Innen­ta­sche ihrer Jacke zehn Credits ver­schwun­den waren.

Geschrieben von Miriam Esdohr