Miris Orbit

Vom Schreiben, Zeichnen und Science Fiction

Skýmir Kurzgeschichte »Sprung«

Mein Bei­trag zum ers­ten The­ma des Inkto­ber Warm-ups von mycomics.de ist fer­tig (du darfst gern auf den Link kli­cken und eine Bewer­tung abge­ben). Auch die­se Kurz­ge­schich­te (wenn man es so nen­nen kann) ist Teil von Ský­mir, aber irgend­wie auch nicht. Man kann sie unab­hän­gig von der Haupt­ge­schich­te lesen.
Das nächs­te The­ma steht schon fest, mal sehen, was ich mir dazu ein­fal­len las­se.

Skýmir Kurzgeschichte »Sprung«

Sehr geehr­te Damen und Her­ren, sehr geehr­te Kom­man­dan­tin Hijg­jold. Hier­mit rei­che ich mei­nen Bericht bezüg­lich der letz­ten Ereig­nis­se ein. Das schei­tern die­ser wich­ti­gen Mis­si­on ist unent­schuld­bar, den­noch ersu­che ich ihr Gehör, um wenigs­tens die Lage zu erklä­ren, in der wir uns befan­den, die letzt­end­lich zur Flucht der Ziel­per­son führ­te.
Beim Lesen mei­ner Geschich­te mögen Sie sich wun­dern, Eini­ges klingt alles ande­re als plau­si­bel. Aber las­sen Sie mich Ihnen ver­si­chern, dass es sich so zuge­tra­gen hat. Wir – ich den­ke ich kann hier eben­so für mei­ne Team­kol­le­gen spre­chen als auch für mich selbst – sind uns selbst noch immer nicht im kla­ren dar­über, was sich genau abspiel­te. Obwohl wir dabei waren! Glei­chen Sie gern unse­re Berich­te ab und Sie wer­den erken­nen: wir haben die­sel­ben Din­ge gese­hen.

Nun, las­sen Sie mich begin­nen, ich will Sie nicht wei­ter lang­wei­len.

Nur zur Zusam­men­fas­sung der Umstän­de: Uns – damit mei­ne ich mich, Svar­re Svens­son und Bor­gir Matoncecht – wur­de der Auf­trag erteilt, eine gewis­se Ziel­per­son aus­fin­dig zu machen und zu depor­tie­ren. Der Auf­ent­halts­ort des Sub­jekts wur­de uns genau­es­tens anhand von Koor­di­na­ten und Beschrei­bun­gen über­mit­telt. Der Name der Per­son wur­de uns jedoch aus Grün­den der Geheim­hal­tung nicht mit­ge­teilt.

Wir reis­ten mit einem der regu­lä­ren Trup­pen­trans­por­ter ins Ver­val­len-Ter­ri­to­ri­um der Außen­welt, wo ich und Matoncecht uns im Schut­ze der Nacht einen Weg durch den Wald bis hin zum Dorf bahn­ten, in dem sich besag­te Ziel­per­son auf­hal­ten soll­te.
Wir alle drei waren uns von vorn­her­ein einig, dass zwei Sturm­trupp­ler völ­lig aus­rei­chend wären, um eine ein­zel­ne Frau aus ihrer Behau­sung zu ent­fer­nen. Svens­son war ledig­lich für das Bedie­nen der Gerä­te an Bord und das Steu­ern des Schif­fes ver­ant­wort­lich.

Das Über­wäl­ti­gen der in ihrem Bett schla­fen­den Ziel­per­son und das Eskor­tie­ren der­sel­bi­gen zum Schiff, wo Svens­son auf uns war­te­te, stell­te kei­ner­lei Pro­blem dar und ver­lief wie geplant.
Zur Sicher­heit hat­ten wir sie an Hän­den und Füßen gefes­selt. Eine Fixie­rung hiel­ten wir nicht für nötig, das Chlo­ro­form hat­te sie ohne­hin für eine Wei­le ruhig gestellt.
Wir hoben ohne Zwi­schen­fäl­le ab und hat­ten kei­ne Beden­ken, was die erfolg­rei­che Durch­füh­rung des Auf­tra­ges betraf.
Doch dann wen­de­te sich das Blatt und wie gesagt kann ich es mir sel­ber nicht erklä­ren.

Wir hat­ten uns der Gefan­ge­nen abge­wandt und befan­den uns im vor­de­ren Teil des Trans­por­ters. Sie wis­sen selbst, wie über­sicht­lich die Trup­pen­trans­por­ter sind. Es war nicht so, als hät­te es viel Spiel­raum für die Ver­val­lin gege­ben, zumal wir uns in der Luft befan­den.
Wir wur­den jedoch sofort auf­merk­sam, als sich etwas im Heck reg­te. Wir dreh­ten uns um, um zu sehen, ob das Sub­jekt auf­ge­wacht war und nun ver­such­te, sich zu befrei­en.

Dem war nicht so. Nein, sie war uns weit vor­aus!
Mei­ne Damen und Her­ren, ehr­wür­di­ge Kom­man­dan­tin, ich kann nur erneut beteu­ern, dass ich mir nicht erklä­ren kann, wie es dazu kam. Aber das Sub­jekt muss sich völ­lig geräusch­los und wei­test­ge­hend bewe­gungs­los, nur weni­ge Meter von uns ent­fernt befreit haben. Sei­en Sie ver­si­chert, dass mir die­se Sache sehr pein­lich ist, aber hier kann es nicht mit rech­ten Din­gen zuge­gan­gen sein! Ich hof­fe, Sie wer­den mir Glau­ben schen­ken, denn die Geschich­te wird noch unvor­stell­ba­rer.

Sie stand also plötz­lich frei vor uns. Nicht nur putz­mun­ter, son­dern in gro­ßer Auf­ruhr über ihre Ent­füh­rung, wild ver­fluch­te sie uns und es war, als wür­de ein Sturm auf­kom­men!
Ich rede von einem phy­si­schen Sturm, es weh­te tat­säch­lich stark und ich weiß, dass das nicht mög­lich ist. Doch ich habe selbst gese­hen, dass das Schiff nicht beschä­digt war, so dass Luft hät­te ein­drin­gen kön­nen und auch sonst fand ich kei­ne logi­sche Erklä­rung für die­ses Phä­no­men! Natür­lich ver­such­ten wir, die Frau wie­der unter unse­re Kon­trol­le zu brin­gen, sie stand ja nur da, umge­ben von dem Wind, der um sie her­um wir­bel­te. Mir war, als wür­de das alles von ihr aus­ge­hen und es wur­de immer stär­ker. Leich­te­re Gegen­stän­de hoben ab, wie ein Data­pad und die Anschnall­gur­te.
Wir gin­gen gegen den Wind – oder soll­te ich Sturm sagen? – an, stemm­ten uns dage­gen, um zu der Ziel­per­son zu gelan­gen und sie wie­der ruhig zu stel­len. Denn Svens­son ver­lor lang­sam die Kon­trol­le über das schwan­ken­de Schiff!
Als Matoncecht und ich nicht auf­ga­ben und das Sub­jekt bei­na­he schon fas­sen konn­ten – und ich weiß, es klingt ver­rückt – , da hob sie ihre Arme und eine Art Schock­wel­le schleu­der­te uns zurück in den vor­de­ren Teil des Schiffs.
Sie lach­te uns aus dabei, kön­nen Sie sich das vor­stel­len?

Wir wuss­ten selbst nicht, wie uns geschah und zu allem Übel kata­pul­tier­te es uns bis ins Cock­pit, wodurch die­ses beschä­digt wur­de – so glau­be ich zumin­dest – und Svens­son blieb nichts ande­res übrig, als eine Bruch­lan­dung ein­zu­lei­ten.
Es funk­te und blitz­te aus allen Ecken, viel­leicht hat­te das Schiff doch grö­ße­ren Scha­den genom­men. Wir befürch­te­ten, wir wür­den dem Boden nicht mehr recht­zei­tig errei­chen und das dies unser aller Ende wäre. Die ein­zi­ge, die dies alles nicht zu tan­gie­ren schien, war die Ver­val­len-Frau, die noch immer dastand, wenn auch tau­melnd, sehr fokus­siert dar­auf, Flü­che aus­zu­spre­chen.

Plötz­lich sahen wir Rauch am Fens­ter vor­bei­zie­hen, kur­ze Zeit spä­ter Flam­men, wir brann­ten!
Dann war alles nur noch chao­ti­scher, alles muss­te jetzt schnell gehen. Svens­son rief uns zu, wir wür­den beim Auf­prall explo­die­ren.

Das ein­zi­ge was uns also blieb, war zu sprin­gen.
Matoncecht zuerst, kurz bevor wir unten anka­men. Gleich dar­auf folg­ten ich und Svar­re Svens­son ihm. Die toben­de Frau muss­ten wir zurück­las­sen.

Ich kann nur erneut beteu­ern, dass es mir eben­so wie Ihnen ein Rät­sel ist, war­um beim Ber­gen des Wracks jeg­li­che Spur von ihr fehl­te. Ich kann momen­tan nichts wei­ter tun, als mit gutem Gewis­sen die Ereig­nis­se zu beschrei­ben, wie ich sie erlebt habe und mei­ne Auf­rich­tig­keit vor Ihnen zu beteu­ern.

Vie­len Dank für Ihre Auf­merk­sam­keit.

Ober­ge­frei­te Hil­da Breysk­ja

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Skýmir Leseprobe (SciFi Geschichte) Teil 8

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Gute Neuigkeiten

  1. Mamsel

    Wahn­sin­ni­ge span­nend und mit Humor gewürz­te Geschich­te, äh… Bericht, der unglaub­li­chen Bege­ben­heit! Tol­le Zeich­nun­gen dazu, man fühlt sich ganz nah dran😯👍🏻

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