Skýmir Leseprobe (SciFi Geschichte) Teil 7 (plus Ankündigung)

Wei­ter geht’s mit der Ský­mir Lese­pro­be (Sci­Fi Geschich­te) Teil 7!

Irgend­wie bin ich heu­te ein biss­chen durch den Wind, habe ich das Gefühl. Das merkt man auch in mei­nem heu­ti­gen Video, oh mann… rich­tig ver­peilt.
Zum Glück hat sich das nicht auf mei­ne Arbeit aus­ge­wirkt. Außer­dem habe ich wei­ter an Ský­mir geschrie­ben, den dazu­ge­hö­ri­gen Plot über­ar­bei­tet und für mich selbst eine Art Leit­fa­den erstellt, damit ich nicht sel­ber durch­ein­an­der kom­me.
Bis­her hat­te ich ein paar Plot-Schnip­sel hier und kom­plett unge­ord­ne­te Ide­en da notiert, Cha­rak­ter-Pro­fi­le, Orte und Namen flo­gen auch irgend­wo rum. Jetzt bin ich zwar noch nicht fer­tig, aber bald habe ich das alles geord­net, dann geht’s auch bestimmt noch bes­ser vor­an.
Auch in dem Video zu sehen ist, wie ich die­se Skiz­zen gezeich­net habe:

Skýmir Leseprobe (SciFi Geschichte) Teil 7

Ankündigung

Ach­tung, jetzt mache ich die Ankün­di­gung auch hier, damit’s bloß kei­ner ver­passt:
Die­ser Blog zieht doch auf sei­ne eige­ne Domain! Ganz luxu­ri­ös mit selbst gehos­te­tem Word­Press, so dass ich alles damit machen kann, wie ich will und es auch optisch anpas­sen kann, wie ich es mir vor­stel­le!

Frage an euch

Was wür­det ihr euch für den neu­en Blog wün­schen? Was möch­tet ihr gern lesen und sehen, wel­che The­men inter­es­sie­ren euch beson­ders?

Und jetzt aber los mit der Fort­set­zung der Geschich­te! Schon Teil 7 der Lese­pro­be.

Skýmir Leseprobe (SciFi Geschichte) Teil 7

Skýmir Leseprobe (SciFi Geschichte) Teil 7

Was bis­her geschah

SKÝMIR Lese­pro­be Teil 1

SKÝMIR Lese­pro­be Teil 2

SKÝMIR Lese­pro­be Teil 3

SKÝMIR Lese­pro­be Teil 4

SKÝMIR Lese­pro­be Teil 5

SKÝMIR Lese­pro­be Teil 6

Abends saß Hil­da mit Bor­gir noch im Gemein­schafts­raum. Svar­re gesell­te sich zu ihnen.
»Hey Svar­re, kommst du auch gleich auf die Fei­er?« frag­te sie ihn.
»Eine Fei­er? Echt jetzt? Wir haben heu­te einen Mann ver­lo­ren und ihr wollt fei­ern gehen?« mür­risch sah er die Bei­den an.
»Na ja, es war ja sowie­so schon geplant und da sie nun mal statt­fin­det, kön­nen wir genau so gut hin­ge­hen.« fand Hil­da.
»Genau. Und sei doch mal ehr­lich, kei­ner von uns stand ihm nahe. Aber wenn es dich belas­tet, sieh es doch als eine Art Ablen­kung!« schlug Bor­gir vor.
»Ach, ich weiß nicht. Par­tys sind nicht so mein Ding.«
»Komm’ schon…« Hil­da stups­te ihn in die Sei­te.
»Okay, okay ist ja gut.« Svar­re unter­drück­te ein Lächeln.
»Ja! Das wird lus­tig!« freu­te sie sich.
»Ich weiß nicht, was, wenn die Kom­man­dan­tin auch kommt? Dann war’s das mit lus­tig.« misch­te Mads sich grin­send ein. Von einem ande­ren Tisch aus hat­te er anschei­nend die Unter­hal­tung mit­ge­hört.
»Von wegen!« lach­te Bor­gir. »Die kommt doch nie!«

Als Yng­vild Hijg­jold dann doch auf der Par­ty auf­tauch­te, staun­ten die vier Freun­de nicht schlecht. Sie hat­ten bereits ein paar Drinks gehabt und längst nicht mehr dar­an gedacht, geschwei­ge denn damit gerech­net. Doch sie sahen sie zur Tür her­ein kom­men, zusam­men mit dem Kom­man­dan­ten einer ande­ren Ein­heit. Ein gro­ßer, attrak­ti­ver Typ. Nicht unbe­dingt so, dass man ihn als gut­aus­se­hend bezeich­nen wür­de, aber außer­or­dent­lich cha­ris­ma­tisch. Die bei­den schie­nen sich über irgend­was zu unter­hal­ten.

»Hah! Passt mal auf, jetzt steppt gleich der Bär!« mach­te Bor­gir sich lus­tig. Svar­re beob­ach­te­te die Bei­den noch einen Augen­blick, rich­te­te dann das Wort an die Run­de:
»Sagt mal, Leu­te… ich war doch nicht der Ein­zi­ge, dem das heu­te komisch vor­kam, oder?«
»Was meinst du?« frag­te Mads, der nicht dabei gewe­sen war.
»Das mit dem Ver­val­len, meinst du? Das war schon irgend­wie merk­wür­dig…« bestä­tig­te Bor­gir.
Mads mach­te ein rat­lo­ses Gesicht, Hil­da schlürf­te an ihrem Getränk und igno­rier­te ihn. Svar­re über­nahm wie­der:
»Wir haben heu­te fünf Ver­val­len getö­tet. Also, dach­ten wir. Aber einer leb­te noch.« Hil­da dach­te, dass das nicht ganz stimm­te, einer von ihnen ging nicht auf ihre Kap­pe. Aber das war ein unwich­ti­ges Detail. Svar­re lehn­te sich über den Tisch vor zu Mads, um nicht so schrei­en zu müs­sen. Es war näm­lich Karaōke-Abend und irgend­je­mand plärr­te ganz erbärm­lich ein kaum wie­der­zu­er­ken­nen­des Lied. Er fuhr fort:
»Hijg­jold hat­te ihn am Schla­fitt­chen. ›Habt ihr unse­re Leu­te auf dem Gewis­sen? Wie habt ihr das Signal abge­fan­gen? Bla, bla, bla.‹, hat sie ver­sucht was aus ihm raus zu krie­gen.«
»Man, der hat­te ganz schön Eier ihr ins Gesicht zu spu­cken!« prus­te­te Bor­gir. Svar­re schenk­te ihm kei­ne Beach­tung und setz­te die Geschich­te fort.
»Dann sag­te der Ver­val­le ›Ey, ich kenn‹ dich, du bist Hijg­jold!‹ und sie so: ›Einen Scheiß weißt du!‹ und bam! Hat sie ihm in den Kopf geschos­sen. Eis­kalt.«
»Krass, Mann!« staun­te Mads.
»Ja, aber fin­det ihr nicht auch komisch, dass er sie anschei­nend kann­te? Ich mei­ne, wenn das ein stink­nor­ma­ler Ver­vall war, woher soll der das dann wis­sen?«
»Viel­licht aus Thor­pa?« gab Mads zu beden­ken.
»Stimmt schon. Wir haben Ver­bin­dun­gen nach Thor­pa, das sind zumin­dest kei­ne Wil­den da. Aber eben des­we­gen las­sen die auch nicht so ein Gesin­del in ihre Stadt. Klar, Leu­te reden, viel­leicht hören die Ver­val­len von die­sem und jenem hohen Tier aus Del­lin­gur oder schnap­pen Gerüch­te auf. Aber der hat sie gese­hen und erkannt
»Blühst ja rich­tig auf in dei­ner Ver­schwö­rungs­theo­rie, Svar­re!« scherz­te Hil­da. Bor­gir und Mads lach­ten mit.
»Ich mein’s ernst!« ver­tei­dig­te er sich.
»Du stei­gerst dich da in was rein. Dafür gibt’s bestimmt eine ganz ein­fa­che Erklä­rung.« mein­te Hil­da.
»Na, wenn das so ist, hab’ ich eine Idee, Frau Bes­ser­wis­se­rin!« kon­ter­te er.
»Uuh, Svar­re hat eine Idee! Jetzt wird’s inter­es­sant! Lass hören!« neck­te Bor­gir ihn.
»Oh ja. Und zwar, da Hil­da doch so schlau ist, kann sie ja her­aus­fin­den, was es mit der Sache auf sich hat.«
»Und wie? Ich bin doch kein Detek­tiv!«
»Na, du fragst die Kom­man­dan­tin ein­fach!«

Bor­gir prus­te­te sein Bier über den hal­ben Tisch und Mads lach­te.
»Viel Glück! Wir war­ten hier auf dich!« ver­si­cher­te Bor­gir und klopf­te Hil­da auf die Schul­ter.
»Japp. Und viel Spaß!« füg­te Mads hin­zu. Svar­re grins­te zufrie­den.
»Heh, denkt ihr etwa, ich bin lebens­mü­de?«
Die Män­ner schau­ten sich an, zuck­ten mit den Schul­ter, neig­ten die Köp­fe.
»Joa…«, »Mhm…«, »Irgend­wie schon…«
»Aber wenn du dich nicht traust, ist das auch kein Pro­blem. Ich mein’, sie ist schon ziem­lich furcht­ein­flö­ßend. Wir ver­ste­hen, wenn du Angst vor ihr hast.« pisack­te Svar­re sie.
»Man, du bist ganz schön eklig, wenn du getrun­ken hast!« schmoll­te Hil­da, was ihn zu amü­sie­ren schien.
»Also schön. Ich mach’s. Ich hab’ näm­lich kei­ne Angst! Nie­mals und vor Nichts und Nie­man­dem, kapiert?!« ent­schlos­sen stand sie auf und leer­te den letz­ten Rest in ihrem Glas, wäh­rend die ande­ren drei belus­tigt zusa­hen und zuhör­ten.
»Aber auf mei­ne Art. Mischt euch also bloß nicht ein. Wehe ihr funkt mir dazwi­schen!« droh­te sie mit erho­be­nem Fin­ger und stemm­te dann die Hän­de in die Hüf­ten.
»Ja, ja! Geh’ schon, oder willst du uns erst mit dei­ner Rede ein­schlä­fern?«
Bor­gir gab ihr einen Anschub, sie hau­te nach ihm und mach­te sich dann auf ins Gedrän­ge der her­um­ste­hen­den Par­ty­gäs­te.

Sie sah sich nach der Kom­man­dan­tin um und ent­deck­te sie an einem hohen Tisch in einer Ecke ste­hend, noch immer in der Beglei­tung des Man­nes. Sie schien bloß Was­ser zu trin­ken und allem Anschein nach waren weder sie noch der männ­li­che Kol­le­ge gekom­men, um sich zu ver­gnü­gen. Hil­da war­te­te ab. End­lich, nach einer gefühl­ten Ewig­keit ver­schwand der Mann und ließ Hijg­jold allein zurück, die den Kopf auf die Hän­de stütz­te, dann aber Anstal­ten mach­te zu gehen. Als sie sich gera­de umwand­te stand Hil­da da, so dass sie fast in sie hin­ein­ge­lau­fen wäre. Sie zuck­te kurz zusam­men, weil sie nie­man­den hin­ter sich erwar­tet hat­te, zog dann ein generv­tes Gesicht und woll­te an Hil­da vor­bei.

»Kom­man­dan­tin Hijg­jold!« ver­such­te die­se, sie auf­zu­hal­ten. Die Kom­man­dan­tin hob den Kopf in ihre Rich­tung. Hil­da lächel­te und zog die Augen­brau­en hoch, als sie ihr einen Cock­tail unter die Nase hielt.
»Nein dan­ke. Ich trin­ke nicht.« Das war eine Lüge. Sie trank nur nicht gern in Gesell­schaft der Ordens-Mit­glie­der. Oder Frem­der. Eigent­lich trank sie mit nie­man­dem gern.
»Nie­mals?«
Kei­ne Ant­wort.
»Ich woll­te mich bedan­ken. Für heu­te, Sie wis­sen schon. Sie haben mir prak­tisch das Leben geret­tet!« sag­te Hil­da wäh­rend sie die Geträn­ke abstell­te.
»Gern gesche­hen.« mein­te Hijg­jold knapp und ver­such­te schon wie­der, sich vom Acker zu machen. Hil­da fass­te sie – ganz leicht nur – am Arm, so dass sie sich doch noch ein­mal umsah und ihre Mimik ver­riet, dass ihr die­se Ges­te über­haupt nicht gefiel.
»Ich woll­te Sie ein­la­den. Trin­ken Sie doch mit mir, auch nur ein Glas!« Hil­da ver­such­te so lie­bens­wür­dig und unschul­dig aus­zu­se­hen, wie sie nur konn­te. Gereizt sah Yng­vild zur Sei­te, dann wie­der zu ihr, als wür­de sie es jetzt wenigs­tens in Erwä­gung zie­hen.
»Bit­te?« frag­te Hil­da und klim­per­te mit den Wim­pern.
»Na gut, damit Sie Ruhe geben. Aber nur einen!« schnaub­te Hijg­jold und stell­te sich zurück an den Tisch. Hil­da gesell­te sich dazu und sah sie begeis­tert an. Das ver­un­si­cher­te Hijg­jold ein wenig, was sie sich aber natür­lich nicht anmer­ken ließ.
»Was haben Sie mir denn da mit­ge­bracht, Breysk­ja?« Skep­tisch betrach­te­te sie das knall­ro­te Getränk in ihrem Glas.
»Das ist ein Cock­tail den mir der Bar­kee­per emp­foh­len hat. Er hat gesagt der hät­te nicht so viel Alko­hol, also, fast gar kei­nen. Dafür schmeckt er aber lecker und fruch­tig!« Auch das war eine Lüge. Sie hat­te nach etwas extra Star­kem gefragt.
»Na dann…«
Yng­vild hob das Glas, Hil­da sag­te: »Pro­ooost!« und sie stie­ßen an.
Hijg­jold nipp­te an der süßen, roten Plör­re.
»Schmeckt ganz gut.« log sie.

Wäh­rend der ers­ten paar Schlu­cke schwieg Hil­da aus Rück­sicht auf ihre Kom­man­dan­tin, sie woll­te sie ja nicht über­stra­pa­zie­ren und noch abwar­ten, bis sie etwas locke­rer gewor­den war. Dann erst konn­te sie ver­su­chen, sie auf die­sen gewis­sen Vor­fall anzu­spre­chen. Statt­des­sen beob­ach­te­te sie beim trin­ken, ganz unauf­fäl­lig, glaub­te sie. Hijg­jold mach­te das ganz ner­vös, es war näm­lich kaum zu über­se­hen. Zuerst tat sie so, als wür­de sie es nicht bemer­ken, doch dann hielt sie es nicht mehr aus.
»Was star­ren Sie so?«
»Oh, tut mir Leid. Ich habe eigent­lich gar Sie nicht ange­starrt, ich habe viel­mehr durch Sie hin­durch gestarrt. Das mache ich manch­mal, wenn ich nach­den­ke.« flun­ker­te Hil­da.
»Ach so.«
Hil­da war ent­täuscht, dass sie gar nicht frag­te, wor­über sie nach­dach­te. Die­ser Trick funk­tio­nier­te schein­bar nicht. Sie muss­te irgend­ein Gesprächs­the­ma fin­den.
»Kom­man­dan­tin?«
»Ja?« Yng­vild sah sie an.
»Wie sind Sie eigent­lich hier gelan­det? Ich mei­ne, wie kommt man so weit?«
»Wol­len Sie sich ein­schlei­men?« Yng­vild nahm noch einen Schluck und ver­steck­te ein ohne­hin kaum merk­li­ches Lächeln hin­ter ihrem Glas.
»Hm…ja!«
Jetzt muss­te Yng­vild doch ein biss­chen grin­sen, was Hil­da inner­lich tri­um­phie­ren ließ.
»Ach, das ist eine lan­ge Geschich­te. Ich habe sehr jung ange­fan­gen, jün­ger als üblich.« End­lich schien die Kom­man­dan­tin lang­sam auf­zu­tau­en.
»Das muss hart gewe­sen sein. Oder?«
Yng­vild wog den Kopf hin und her. Ja, es war hart gewe­sen.
»Stre­ben Sie eine bestimm­te Posi­ti­on an?«, wich sie einer Ant­wort aus.
»Nein, eigent­lich nicht. Ich sehe ein­fach mal, wie weit ich kom­me.«
»Viel­leicht soll­ten Sie das. Sie haben heu­te Poten­ti­al gezeigt.«
»Sie muss­ten mich ret­ten!«, warf Hil­da ein. Hijg­jold nahm noch einen Schluck.
»Was war das für ein Viech? Ich hab’ sowas noch nie gese­hen!«, ver­such­te Hil­da die Kon­ver­sa­ti­on auf­recht zu erhal­ten.
»Kann sein, dass das ein Ský­mir war…«
»Ein was?«
»Nun ja. In den Außen­wel­ten erzählt man von Mons­tern Namens Ský­mir. Groß, schwarz, gru­se­lig. Und trotz­dem hat sie nie einer zu Gesicht bekom­men. Bezie­hungs­wei­se, eini­ge behaup­ten wel­che gese­hen zu haben. Aber Bewei­se gibt es dafür kei­ne.«
»Wow! Viel­leicht haben wir so einen gese­hen!«
»Wer weiß. In der Außen­welt gibt es immer noch Vie­les, was wir nicht ken­nen.«
Yng­vild nahm noch einen Schluck und stell­te fest: »Oh, schon leer.«

Hil­da hat­te gar nicht mit­ge­kriegt, dass die Kom­man­dan­tin so schnell getrun­ken hat­te. Sie konn­te nur hof­fen, dass sie zumin­dest noch auf sie war­te­te.
»Noch einen? Geht dies­mal auf mich« Über­rascht nick­te Hil­da hef­tig mit dem Kopf und trank aus, damit Hijg­jold bei­de Glä­ser mit­neh­men konn­te. Sie sah ihr nach und mus­ter­te sie von hin­ten. Sie trug eine dunk­le Stoff­ho­se und eine eben­so dunk­le Blu­se, die Far­be war im gedimm­ten Licht nicht klar zu erken­nen. In jedem Fall sah sie heu­te für ihre Ver­hält­nis­se infor­mell aus. Sie kam mit zwei vol­len Glä­sern zurück.
»Was ist es dies­mal?«
»Über­ra­schung.«
Sie pros­te­ten sich zu, die­ser Drink schmeck­te bit­te­rer und gar nicht fruch­tig. Hil­da sah zu Bor­gir und den ande­ren hin­über, irgend­wie hat­te sie ihre Bli­cke auf sich gespürt und tat­säch­lich glotz­ten sie gera­de. Sie muss­te sie jetzt dar­auf anspre­chen, kei­ne Rück­zie­her!
»Das war ganz schön was heu­te, oder?«
Hijg­jold lins­te kurz zu Hil­da hin­über.
»Was mein­te die­ser Ver­vall, als er mein­te, er kennt Sie?«
»Ist es das, was Sie beschäf­tigt?«
»Na ja, ich habe mich nur gefragt, was…«
»Schon klar. Breysk­ja, es wäre bes­ser, Sie wür­den Ihre Nase nicht in ande­rer Leu­te Ange­le­gen­hei­ten ste­cken. Ich sage Ihnen das nur zu Ihrem eige­nen Wohl.«
»Wie­so? Was mei­nen Sie? Irgend­wie ist es doch auch mei­ne Ange­le­gen­heit.«
Die Kom­man­dan­tin blin­zel­te viel­deu­tig.
»Es könn­te Sie in Schwie­rig­kei­ten brin­gen, sich in die Poli­tik ein­zu­mi­schen, beson­ders, wenn sie nicht mit der des Ordens kon­form ist.«
Hil­da dach­te nach.

»Nun gut, ich wer­de ver­su­chen, Ihre Neu­gier­de zu befrie­di­gen. Ich glau­be, Sie kön­nen etwas für sich behal­ten. Erzäh­len Sie es nie­man­dem! Auch nicht Ihren Freun­den – beson­ders nicht Ihren Freun­den!«, warn­te Hijg­jold und sah zu dem Tisch hin­über, an dem Hildas Kum­pel saßen und ganz schnell so taten, als wären sie kom­plett mit ande­ren Din­gen beschäf­tigt und in ein Gespräch ver­tieft. Hil­da fühl­te sich auf fri­scher Tat ertappt. Yng­vild lehn­te sich vor um lei­ser spre­chen zu kön­nen und Hil­da tat es ihr nach.
»Wie Sie sicher wis­sen«, begann Hijg­jold, »pfle­gen wir Bezie­hun­gen zu Thor­pa. Ich habe dort bei Ver­hand­lun­gen und Kon­fe­ren­zen schon eini­ge Male den Orden ver­tre­ten. Wie Sie sich den­ken kön­nen, kommt es aber immer wie­der zu Inter­es­sen­kon­flik­ten. Die Ver­val­len – Dör­fer, Clans, was auch immer – außer­halb von Thor­pa wol­len auch mit­mi­schen. Nicht, dass sie Teil der Alli­anz wer­den woll­ten, so ist es nicht. Sie wol­len bes­se­re Waf­fen, Aus­rüs­tung, Mate­ria­len, Res­sour­cen im All­ge­mei­nen, auf die sie so kei­nen Zugriff haben. Und selbst­ver­ständ­lich ver­su­chen sie, die­se über Thor­pa als ›Mit­tel­mann‹ zu bekom­men. Heim­lich. Aber zum Glück hat Thor­pa da nicht ein­fach mit­ge­macht und uns infor­miert.« Die Kom­man­dan­tin sah sich um.
»Wir ver­ste­hen schon,…« fuhr sie fort, »dass vie­le Außen­welt­ler sich in einer Not­la­ge sehen. Eini­ge sind wahr­schein­lich wirk­lich bedürf­tig, obwohl man dabei nicht ver­ges­sen darf, dass sie sich aus Selbst­ver­schul­den über­haupt in die­ser Lage befin­den. Wür­den sie nur Bereit­schaft zei­gen und den Wil­len, sich an die zivi­li­sier­te Welt anzu­pas­sen, könn­ten sie Teil der Alli­anz sein. Aber wie dem auch sei, lan­ge Rede, kur­zer Sinn: Wir woll­ten ihr Anlie­gen nicht ein­fach igno­rie­ren und haben uns dazu bera­ten.«

»Sie und…?« staun­te Hil­da, trau­te sich aber nicht, es aus­zu­spre­chen.
»Ja, es wur­den Stell­ver­tre­ten­de aus eini­gen weni­gen Clans zu einer Sit­zung an einem Gehei­men Treff­punkt ein­ge­la­den. Unter stren­gen Sicher­heits­vor­keh­run­gen ver­steht sich.«
Yng­vild nahm einen kräf­ti­gen Schluck aus ihrem Glas.
»Die­ses Tref­fen jeden­falls, das ver­lief nicht wie geplant. Ganz und gar nicht, es lief alles aus dem Ruder. Man konn­te sich nicht eini­gen, die Stim­mung ange­spannt, Sie wis­sen schon. Und obwohl wir ja bereit waren zu hel­fen, mit ihnen zu ver­han­deln und einen Kom­pro­miss zu fin­den, fühl­ten sie sich von unse­rem Ange­bot belei­digt.«
»Was für ein Ange­bot war das denn?« woll­te Hil­da neu­gie­rig wis­sen.
»Wir woll­ten im Aus­tausch ein Stück Land von Ihnen, zum For­schen. Wenn die Ver­val­len etwas haben, dann ist es Land.«
»Was war dann so schlecht an dem Ange­bot?«
»Sie behaup­te­ten, nach den For­schun­gen kämen Sied­lun­gen, dann Mili­tär-Stütz­punk­te und dass wir so ver­su­chen wür­den, sie lang­sam zu ver­drän­gen. Wir waren unse­rer­seits eben­so auf­ge­bracht über die­se Unter­stel­lung, ein Ver­vall kam wüst schimp­fend auf den Alli­anz-Rat zu, so dass die Sicher­heits-Leu­te auf­merk­sam wur­den und plötz­lich fing einer der Ver­val­len zu schie­ßen an. Der hat­te die Reak­ti­on der Sicher­heits­käf­te anschei­nend falsch gedeu­tet.« Hijg­jold sah in ihr Glas.
»Was ist dann pas­siert?«
»Dann…«, sprach die Kom­man­dan­tin wei­ter, »…ging es nur noch drun­ter und drü­ber. Es wur­de geschos­sen und geprü­gelt und wir – die Rats­mit­glie­der – schnellst­mög­lich eva­ku­iert. Seit­dem kann man wei­te­re Ver­hand­lun­gen oder Ver­su­che zur Kon­flikt­lö­sung erst­mal ver­ges­sen.«
»Klingt, als wäre dadurch alles nur noch schlim­mer gewor­den!« erkann­te Hil­da besorgt.

»Hören Sie, Breysk­ja: Das darf nie­mand, unter kei­nen Umstän­den erfah­ren, ver­stan­den?«
Sie nick­te ent­schlos­sen: »Ich schwei­ge wie ein Grab!«
»Gut, das hof­fe ich auch. Ich hät­te es Ihnen über­haupt nicht erzäh­len dür­fen, offi­zi­ell ist das Gan­ze nie pas­siert und wenn irgend­wer Wind davon bekommt, bringt mich das in gro­ße Schwie­rig­kei­ten. Das ver­ste­hen Sie doch?«
»Ja! Ja, natür­lich. Ich wer­de nichts sagen.«
»Das höre ich gern, andern­falls muss ich Sie lei­der töten, das wäre ja scha­de um Ihr Talent.«
Hijg­jold lehn­te sich zurück und fixier­te Hil­da, die sie ent­geis­tert anstarr­te.
Dann fing Hijg­jold an zu lachen: »Sie soll­ten Ihr Gesicht sehen!«
»Oh…haha…«, täusch­te Hil­da ein Lachen vor. Dann leer­te Hijg­jold ihr Glas in einem Zug.
»Gehen Sie wie­der zu Ihren Freun­den.«

Bevor Hil­da etwas sagen konn­te, ver­schwand die Kom­man­dan­tin schon im Gewu­sel.
Sie sah zu ihren Kum­peln, die ihren Blick erwi­der­ten und hat­te kei­ne Ahnung, was sie ihnen erzäh­len soll­te.

»Und?« frag­te Svar­re sie erwar­tungs­voll, als sie sich wie­der zu ihnen an den Tisch setz­te. Ihre Freun­de sahen sie erwar­tungs­voll an.
»Nichts, sie ist sau­er gewor­den und abge­hau­en.«, schwin­del­te Hil­da.
»Oh mann, hast dich wohl nicht so geschickt ange­stellt, hm? Na hof­fent­lich kriegst du jetzt kei­nen Ärger!« sorg­te sich Mads.

Hil­da war die Stim­mung zum Fei­ern ver­gan­gen und ging kurz dar­auf auf ihr Zim­mer, um sich hin­zu­le­gen. Sie ver­such­te zu schla­fen, aber es woll­te ihr trotz Müdig­keit nicht so recht gelin­gen. Sie soll­te weni­ger Mist bau­en, wahr­schein­lich hat­te Hijg­jold Recht, irgend­wann wür­de sie sich selbst in Schwie­rig­kei­ten brin­gen, aber dann rich­ti­ge. Und da war ja noch die­se ande­re Sache. Jetzt muss­te sie nach lan­ger Zeit wie­der dar­an den­ken, obwohl sie bis­her eini­ger­ma­ßen erfolg­reich ver­sucht hat­te, es zu ver­ges­sen. Sie hat­te irgend­wie ein schlech­tes Gewis­sen. Es ließ ihr kei­ne Ruhe.

Sie stand auf, zog die Metall­kis­te unter ihrem Bett her­vor, gab den Zah­len­code ein und öff­ne­te das Schloss. Hier drin­nen bewahr­te sie ein paar per­sön­li­che Gegen­stän­de auf, aber zwei gehör­ten ihr eigent­lich nicht. Sie nahm sie her­aus und erin­ner­te sich an damals.

Geschrieben von Miriam Esdohr